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Die Ilztalbahn Freyung-Passau

86 501 mit einem Sonderzug am 3. 10. 2000 in Freyung

Die Ilztalbahn ist die 49,6 Kilometer lange Nebenbahn von Passau nach Freyung im unteren Bayerischen Wald. Sie war ein Teil der geplanten Bahnstrecke Passau-Freyung-Grafenau-Zwiesel(-Cham), die aber nie gebaut wurde, da der Bahnhof von Grafenau entgegen der anfänglichen Planung mitten in der Stadt liegt und ein Weiterbau nach Freyung unmöglich war. Nur in den 50ern gab es einige Jahre lang eine solche Verbindung: mit dem Schi-Stra-Bus (Schienen-Straßen -Bus). Wenn diese Strecke gebaut worden wäre, würden vielleicht heute noch auf der Ilztalbahn Personenzüge verkehren.

1884 begann die Planung. Man plante zwei Varianten der Streckenführung:

1. Von Passau über Stelzlhof, Hacklberg, Mausmühle, ilzaufwärts nach Waldkirchen und Freyung.

2. Von Passau nach Fischhaus an der Ilz, weiter durchs Lärmbachtal nach Hutthurm und Büchlberg, durchs Erlautal nach Waldkirchen und Freyung.

Die Bahn wurde am 13.1.1886 genehmigt und 1887 begann der Bau nach Variante 1. Am 6. Dezember 1890 wurde die Teilstrecke nach Röhrnbach und am 15. Oktober 1892 die Reststrecke nach Freyung eröffnet. In Tiefenbach, Fischhaus, Kalteneck, Fürsteneck, Röhrnbach, Waldkirchen und Freyung errichtete man Stationsgebäude, teilweise nach schon bestehenden Gebäuden an anderen bayerischen Lokalbahnen (Ruhstorf/Rott, Berching, Beilngries).  In Waldkirchen wurde ein Güterschuppen, in Freyung ein Güterschuppen und ein kurzer zweiständiger Lokschuppen mit Wohnhaus gebaut. Haltepunkte waren Passau-Auerbach (aufgelassen 1962), Stelzlhof, Neuhausmühle, Fischhaus, Mayersäge (nach der Stilllegung der Strecken nach Wegscheid und Hauzenberg 1970 war dieser kleine Hp bei Waldkirchen bis 1982 der östlichste Personenbahnhof der Bundesrepublik!) und Grillaberg. Karlsbach war unbesetzte Haltestelle Hst. Alle Hochbauten sind noch erhalten und werden anderweitig genutzt. Der Freyunger Lokschuppen hat keine Gleise mehr. Die Wartehäuschen an den Haltepunkten wie z. B. Grillaberg stehen nicht mehr. Auch die alte Materialseilbahn vom Freyunger Bahnhof zum Carbidwerk und die Lokbehandlungsanlagen sind längst verschwunden.

Der Bau der Strecke kostete insgesamt 5940498 RM.   

Damals verkehrten auf der Strecke: 4 Loks D X (Bayrische Lokalbahnloks, C1`nt, 45 km/h, es gab nur 9 Exemplare), später 98 7701-7709. Diese Maschinen fuhren auch nach Hauzenberg und auf der Rottalbahn Richtung Mühldorf. Ausgemustert 1931; 3 Personenwagen II./III. Klasse; 6 Personenwagen III. Klasse; 3 Gepäckwagen mit Postabteil ; 5 Gepäckwagen  

Bis 1898 fuhren keine reinen Personenzüge, sondern nur Güterzüge mit Personenbeförderung (GmP) von Passau nach Freyung. Diese brauchten für die Fahrt Passau-Freyung über 3 Stunden, in der Gegenrichtung nur zweieinhalb Stunden, da es meist bergab geht (fast 400 Meter Höhenunterschied!). An manchen Bahnhöfen mussten die Reisenden 20 Minuten warten, bis die Lokomotive die Güterwaggons auf die Nebengleise rangiert hatte. Anfangs betrug die Streckenhöchstgeschwindigkeit 30 Km/h, später 40 und noch vor dem Krieg für Triebwagen und später auch für Dampf- und Dieselloks bis heute 50 Km/h.

Als 1910 die Strecke nach Haidmühle zur tschechischen Grenze gebaut wurde, stellte die Bahn den Fahrplan um und alle Züge fuhren nach Haidmühle oder weiter bis Prachatitz, wer nach Freyung wollte, musste bis nach dem 2. Weltkrieg umsteigen.

Das Ende für den Eisenbahnverkehr von Passau in den "Woid" war die Sprengung der Kachletbrücke in Passau am 30. April 1945. 1946 richtete man wieder ein tägliches Zugpaar Haidmühle-Tiefenbach und zwei Zugpaare Waldkirchen - Freyung ein. Nachdem der Tunnel bei Tiefenbach wieder frei war, fuhren täglich 5 Zugpaare vom Haltepunkt Stelzlhof bei Passau nach Haidmühle und von Waldkirchen nach Freyung. Mit dem "Culemeyer"-Straßenroller wurden die Fahrzeuge ausgetauscht. Reisende fuhren mit dem Bahnbus von Stelzlhof zum Passauer Hbf. Am 29. April 1948 war die Kachletbrücke wieder aufgebaut und 5 Zugpaare fuhren täglich vom Passauer Hauptbahnhof nach Freyung.

1953 kamen die ersten Schienenbusse VT 95 zum BW Passau und lösten die dampfbespannten Personenzüge ab. Sie fuhren bis zur Einstellung der Reisezugverkehrs 1982. Dampfzüge kamen nur noch selten nach Freyung, außer wenn es z. B. einen Schienenbus eingeschneit hatte, was im Winter recht oft vorkam. Anfang der 60er ersetzten die V 100 die 64er und 86er auch im Güterverkehr. Die Militärzüge zogen 212er und 218er, kurze Züge auch die Baureihe 360.

Am 30. April 1982 stellte die DB den Personenverkehr ein. Der letzte Zug wurde sechsteilig gefahren, so groß war der Andrang. So viele Fahrkarten wie an diesem Tag wurden manchmal in einem Monat nicht verkauft, da die Bahn die Fahrgäste mit unmöglichen Fahrzeiten, hohen Fahrpreisen und immer weniger Zugfahrten vergrault hatte, wie es ja die gängige Praxis bei vielen Nebenbahnen war. Es blieb nur der Güterverkehr, den die DB ebenfalls nach und nach einstellte, z. B. Holztransporte aus Waldkirchen, Steintransport von Tiefenbach oder Streusalztransporte im Winter. Nur noch (manchmal sehr lange) Panzerzüge der Bundeswehr kamen mit bis zu drei 218ern oder 212ern nach Freyung; und der Anschluss der Zahnradfabrik in Patriching bei Passau wurde bedient. Am 6. April 2001 kündigte die Bundeswehr den Vertrag, da sie jährlich eine Million DM für die Erhaltung der Bahn zahlen musste. An diesem Tag fuhr der letzte Zug, bestehend aus 212 043, 212 050, 360 220 und ca. 15 Schwerlastwagen mit Panzern.

Manchmal wurde bis 2002 noch ein Messzug oder ein Skl gesehen, seitdem fährt auf dieser Strecke kein Zug mehr. Beim Hochwasser im August 2002 wurden mehrere Streckenteile schwer beschädigt (Dammbruch bei Fürsteneck, eingestürzte Unterführungen usw.). Aber ansonsten ist die Strecke noch in einem relativ guten Zustand, da sie für die Militärtransporte noch gut gepflegt wurde. Nur die Bahnhöfe sind in den letzten Jahren ziemlich verkrautet, z. B. der Bahnhof in Freyung, der, wie auf den Fotos von 2000 (siehe oben) zu sehen ist, bis zuletzt noch in einem sehr guten Zustand war.

Schon 1983 befuhr der erste Sonderzug der PEF die Ilztalbahn. Die Sonderzüge wurden jedes Jahr eingesetzt. Zuerst bestanden sie aus einer 212 und einigen DB- oder ÖBB-Wagen, seit einigen Jahren fährt ein Schienenbus der PEF. Auch andere Vereine bereisten schon die Strecke, z. B. mit dem "Eierkopf" VT 08 oder dem Chiemgaubahn-Schienenbus. 2000 kam erstmals seit 30 Jahren eine Dampflok der BR 86 nach Freyung mit einem überfüllten Sonderzug des Rotary-Clubs nach Freyung, Foto s. o. Auch 2002 sollten Dampfzüge nach Freyung fahren, aber die Fahrten fielen aus verschiedenen Gründen aus.

Das Konzept für die Reaktivierung der Ilztalbahn Passau-Freyung durch die Passauer Eisenbahngesellschaft musste im Februar 2003 wieder wegen Geldmangel abgespeckt werden. Die Landkreise wollten nur insgesamt 75000 € aufbringen. Aber es werden für viele Millionen Straßen gebaut! Deshalb sollten laut einer Zeitungsmeldung im Sommer und Herbst die Schienenbusse der PEF an den Wochenenden nur dreimal nach Freyung fahren, außerdem sollte es einige Dampfzugfahrten geben.

Aber im Oktober 2003 kündigte die DB den Pachtvertrag mit der Passauer Eisenbahngesellschaft, der eigentlich bis 2010 laufen sollte, und schrieb die Strecke aus. Die DRE wollte die Strecke übernehmen, aber die Kommunen verlangten ein rentables Betriebskonzept. 2004 wurde bekannt, dass auch die internationale Firma "ARCO-Transportation" einen Übernahmeantrag an die DB gestellt hat. Dies ist aber nicht zustande gekommen. Ein Förderverein zur Erhaltung der Strecke wurde gegründet, aber die meisten Kommunen an der Strecke (mit Ausnahme der Stadt Freyung) wollten einen Radweg. 

Am 8.10.2006 sollten die Bürger in Freyung und Waldkirchen über Bahn oder Radweg abstimmen. Keiner der beiden Bürgerentscheide erreichte die nötige Wahlbeteiligung von 20%. Im November wurde eine mit privaten Mitteln die Ilztalbahn GmbH gegründet, die sich um die Übernahme der Bahnstrecke bemüht. Weiterhin gibt es nur wenig Unterstützung aus der Politik.

Das Eisenbahnbundesamt lehnte den von der Eigentümerin der Strecke, der DB, gestellten Antrag auf Entwidmung offiziell ab, weil durch die Ilztalbahn GmbH ernsthaftes Interesse am Bahnbetrieb besteht - damit ist der Abbau der Bahntrasse endgültig passé. Nun wird die Ilztalbahn GmbH in Zusammenarbeit mit der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE) die Strecke zunächst pachten und später kaufen.  Nachdem der Förderverein Anfang 2008 endlich von der DB das Betretungsrecht für die Strecke von der DB erwirkt hatte, begannen die Arbeiten an der Strecke am 19.4.2008 mit dem Freischneiden der Bahnhöfe Freyung und Waldkirchen durch Freiwillige. Darüber hinaus setzen sich die Ilztalbahnfreunde auch für die Beschilderung bestehender Nebenstraßen und Forstwege für Radfahrer ein, schließlich legt man Wert auf das Konzept Bahn und Rad.

Im März 2009 erteilte das bayrische Wirtschaftsministerium der RSE als Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen endlich die Betriebsgenehmigung für die Strecke. Nach vielen Verzögerungen konnte die Ilztalbahn GmbH am 30.4.2009 einen Pachtvertrag mit der DB schließen. Mit Hilfe eines Schwerkleinwagens (Skl) der PEF und eines Traktors wurde 2009 der Abschnitt Freyung-Röhrnbach wieder befahrbar gemacht. Im April 2010 ist die Strecke bereits bis zur "großen Schadstelle" 8km vor Passau mit dem Skl befahrbar.

Im Juni 2010 stellte die Euregio 1,67 Mio. Euro für die Sanierung der Strecke und den Aufbau eines deutsch-tschechischen Bahn-Bus-Netzes zur Verfügung.

 

Links zum Thema:

Förderverein Ilztalbahn

"Die Ilztalbahn - Eine Zug-Nummer für unsere Region": Konzept des Fördervereins Ilztalbahn (PDF)

Ilztalbahn GmbH

Rhein-Sieg-Eisenbahn

Fotos von Tobias Leuchtner ("Ilztalbahner") - Ilztalbahn unter "Bayerwalddiesel"

Passauer Eisenbahnfreunde